28|07|2019 | Event

ELSI-Workshop in Stuttgart

Grundlage der Arbeit im Projekt NoStress bilste das Konzept des subjektiven Wohlbefindes (SWB). Dieses, für sich allein genommen, vernachlässigt jedoch die Perspektive auf gesellschaftliche Konsequenzen. Im Workshop wurde gezeigt, wie sich der Begriff des SWB um eine ethische Perspektive erweitern lässt.

Der Frage nach der sozialen und ethischen Reflexion des Projektes NoStress ging das IZEW gemeinsam mit dem Projekt NoStress am 14.05.2019 in einem eintägigen Workshop in Stuttgart nach. Ziel des Workshops war es, soziale und ethische Fragestellungen im Zusammenhang von Virtueller Realität am Fallbeispiel des Forschungsprojektes NoStress zu offenzulegen und zu erörtern.

Mona Feil (HIVE-Lab, IZEW), Céline Gressel (HIVE-Lab, IZEW), Holger Klapperich (HIVE-Lab und NoStress, Uni Siegen), Wulf Loh (HIVE-Lab, IZEW), Fabian Mertl (NoStress, HSD) und Shadan Sadeghian (HIVE-Lab und NoStress, Uni Siegen) folgten der Einladung und diskutierten über subjektives Wohlbefinden und das gute Leben.

Gruppenbild der Teilnehmenden
Céline Gressel, Fabian Mertl, Shadan Sadeghian
Mona Feil, Wulf Loh, Holger Klapperich

Der Workshop begann mit einer Vorstellung der Vorgehensweise und des aktuellen Standes des Projektes NoStress. Im Projekt soll eine VR Anwendung entwickelt werden, die Menschen dabei hilft, sich aktiv zu entspannen, um dadurch ihr Wohlbefinden und damit präventiv ihre Gesundheit positiv zu beeinflussen.

Bereits bei der Diskussion der Projektidee kamen erste kritische Fragen auf: “Gibt es nicht auch andere (anstrengendere) Arten der Entspannung, beispielsweise Klettern?”, “Gibt es am Ende eines Entspannungstraining auch einen Überblickt, wie geübt man eigentlich ist?”, „Führt ein solches Feedback dann zu neuem Stress?“ etc.

Die Diskussion kreiste dabei um den Begriff des Subjektiven Wohlbefindens. Das subjektive Wohlbefinden ist ein Konstrukt, das aus der Persönlichkeitspsychologie stammt (z.B.: Diener, Campbell, Bradburn). Es ist ein Ergebnis der Bewertung des Lebens in Bezug auf Lebenszufriedenheit und Glück, wobei sich die Lebenszufriedenheit durch die wahrgenommene Distanz der eignen Lebenssituation von getroffenen Erwartungen ausdrückt. Die Lebenszufriedenheit stellt eine wertende und langfristige Beurteilung dieser Distanz dar. Im Gegensatz dazu, wird die unmittelbare Erfahrung zwischen positivem und negativem Affekt als Glück bezeichnet. Beide zusammen bilden das subjektive Wohlbefinden.

Um diese Erlebnisse möglichst positiv zu gestalten, identifizierten die Mitarbeitenden der Uni Siegen 7 Bedürfnisse, die es zu befriedigen gilt. Diese sind: Kompetenz, Autonomie, Popularität, Körperlichkeit, Verbundenheit, Stimulation und Sicherheit.

Die ELSI-Partner*innen des IZEW erweiterten den Begriff um eine etische Perspektive. In diesem Zusammenhang macht es weniger Sinn, von Wohlbefinden, als von Wohlergehen zu sprechen. Das Wohlergehen unterscheidet sich vom Wohlbefinden dahingehend, als dass es auch objektive Faktoren miteinbezieht. So lassen sich mit dieser Bewertung auch gesellschaftliche Auswirkungen abbilden. Ein aus ethischer Perspektive gutes Leben beinhaltet mehr als subjektive Aspekte. Auch ein tugendhaftes, wenig freudvolles Leben, das essenzielle ethische Bedürfnisse erfüllt, kann ein demnach ein gutes Leben sein. Genauso kann ein freudvolles, aber gänzlich unethisches Leben kein gutes Leben sein. Am Beispiel des Capability Approach (Martha Nussbaum) wurde exemplarisch gezeigt, welche Aspekte eine solche Sichtweise beinhalten kann. 

Im zweiten Teil des Workshops führten die Teilnehmenden eine gemeinsame Folgenabschätzung für Individuen & Gesellschaft anhand des Fallbeispiels „NoStress“ durch. Das Ziel dieses Nachmittags war es, zunächst existierende moralische Überzeugungen in einer gemeinsamen Diskussion zu identifizieren und zu reflektieren und diese auf ihre Voraussetzungen und Schlussfolgerungen hin prüfen. Daraus können mögliche positive und negative Auswirkungen abgeleitet, erkannt und gefördert bzw. gehemmt werden.

Zuerst wurden im Plenum die für NoStress relevanten Stakeholder identifiziert. Dieser Schritt öffnete den Horizont und es wurde noch einmal deutlicher, dass der zuvor diskutierte Begriff des subjektiven Wohlbefindens in dieser Hinsicht zu kurz greifen könnte. Es konnte eine ganze Reihe an Stakeholdern identifiziert werden, die direkt oder indirekt von der Ausgestaltung der Technik bei NoStress betroffen sein werden. Im Workshop näher betrachtet wurden: Die Nutzer*innen, die Arbeitgeber*innen und die Krankenkassen.

Im nächsten Schritt wurde für die ausgewählten Stakeholder für jedes ethische Prinzip ein Worst- und ein Best-Case-Szenario entwickelt. Aus diesen Szenarien ließen sich Bedingungen/Constraints für Funktionen der Technologie erarbeiten. Diese werden im Projekt NoStress weiter diskutiert und werden in die Entwicklung der Entspannungstechonlogie einfließen.